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„Was ich Ihnen hier vorlege, habe ich alles selbst erlebt, sämtliche Personen habe ich gekannt, niemanden habe ich erfunden. Ich denke mir überhaupt nichts aus, ich schaue mir die Leute an und gebe sie so wieder, wie sie sind, mit ihren Stërken und Schwächen.“
Wenn wir das Gesamtwerk und das ganze Leben Klostermanns betrachten, stellen wir fest, daß er, bedingt durch seine Vertrautheit mit beiden Stämmen, welche das herrliche Land Böhmen bewohnen, ein wahrer Apostel des Ausgleichs zwischen Tschechen und Deutschen ist. […] Klostermann ist der berufenste Dolmetscher, um Frieden zwischen den beiden Nationalitäten zu vermitteln, und er nimmt einen Spitzenplatz unter jenen Schriftstellern ein, Welche sich darum bemühen, die zwei Volksstämme einander näher zu bringen. Er ist im wahrsten Sinne des Wortes als Mensch und auch als Dichter ein Vorbild.
Adolf Heyduk Písek, den 19. Dezember 1913 [Tsechc. Dichter, 1835 – 1923]
Übersetzt aus dem Vorwort zu „Básník Šumavy“ von Václav Dresler, Moravská akciová knihtiskárna, Brünn, 1913.
Sein
Erstlingswerk, „Böhmerwaldskizzen“, deutsch geschrieben, brachte
ihm nicht den erhoffen Erfolg, die Leser maßen ihn noch an Adalbert
Stifter. Doch als ihm ein tschech. Verleger riet, tschechisch zu
schreiben, - Kl. Beherrschte 12 (!) Sprachen – wurde er rasch beliebt
und berühmt. Sein Tschechisch war so gut, daß die Öffentlichkeit
lange nicht glauben wollte, daß der Autor Deutscher war. Für 5 von
seine 14 Romanen erhielt er den Preis der Tschechischen Akademie! Sein
Werk ist so eng mit dem Böhmerwald verbunden, daß die Tschechen die
von ihm beschriebene Landschaft als „Klostermannova
Šumava“ bezeichnen.
Wegen
seiner Toleranz gegenüber den Tscheche. Mitbewohnern Böhmens und
seines konsequenten Eintretens für eine friedliche Koexistenz beider
Volksgruppen wurde er von stramm deutsch-national gesonnen Kreisen
angefeindet. Sein immerhin über 150 Einzeltitel zählendes, deutsch
geschriebenes Erzählwerk,
das er – leider – nur mehr in der Zeitung, unter dem Pseudonym Fausstin,
nie mehr in Buchform veröffentlicht hat, ist trotz seines hohen
literarischen Niveaus total in Vergessenheit geraten. Heute, wo es
keinen deutsch besiedelten Böhmerwald mehr gibt, muß sein Werk auch
als unersetzliche zeitgeschichtliche und volkskundliche Quelle ersten
Ranges eingestuft werden.
1923
starb er auf Schloß Štìkeò, die Stadt Pilsen richtete ihrem Ehrenbürger
ein eindrucksvolles Begräbnis aus. Klostermanns Grab ist heute noch
erhalten und gepflegt.


Museum des Böhmerwaldes - Kreis Pilsen
